Streckendetails und Tour-Beschreibung

Freiburg
0,0 KMBollschweil

Freiburgs neues Dokumentationszentrum Nationalsozialismus steht an zentraler Stelle mit Blick auf den früheren Regierungssitz des badischen Staatspräsidenten Leo Wohleb (Colombischlössle, heute das Archäologische Museum). Ein zweiter Teil des Gebäudeensembles, in dem sich das Dokumentationszentrum befindet, ist nach Carl von Rotteck benannt, dem Namensgeber der Straße. Dort befindet sich auch die Außenstelle der Landeszentrale für politische Bildung.

Freiburgs Kulturbürgermeister Ulrich von Kirchbach spricht von „einer Wohngemeinschaft für Demokratie“, da beides – historisches und politisches Lernen – unter einem Dach stattfindet. Joseph Schlippe, Stadt­baudirektor vor, während und nach der NS-Zeit, entwarf dieses Gebäude, das 1936 als städtisches Verkehrsamt eröffnet wurde.

  • In der Blickachse hinüber zur Universität liegt der Platz der Alten Synagoge, sie wurde in der Reichspo­gromnacht 1938 zerstört. Geborgene Fundamentsteine der Synagoge werden im Gedenkraum des Dokumentationszentrums gezeigt.
  • Auf dem 2017 neu gestalteten Platz zeichnet ein Brunnen die Grundrisse der ehemaligen Synagoge nach. Ein Bronzemodell, Hinweistafeln sowie eine digitale Stele verweisen auf die Bedeutung des Ortes.
  • Südwärts dem Rotteckring folgend führt der Weg über die Kronenbrücke auf die andere Dreisamseite an der Lessing-Realschule vorbei. Sie wurde zwischen 1885 und 1887 von Carl Müller mit zwei getrennten Pforten für Jungen und Mädchen gebaut. Ab 1936 wurden zwei Klassenzimmer als Zwangsschule für jüdische Kinder aus Südbaden eingerichtet.
  • Mehr: www.juedischezwangsschule-nszeit.de
  • Ein kleiner Abstecher abseits vom Rotteckring führt zur „Blauen Brücke“ (Wiwili-Brücke) über die Gleise am Hauptbahnhof. Dort erinnert ein „zurückgelassener Mantel“ mit Erläuterungen an die Deportation vom 22. Oktober 1940 nach Gurs.
  • Schicksale hauptsächlich jüdischer Menschen, über die Stadt verteilt, sind mit Stolpersteinen dokumentiert. Sorgsam nach Namen und Straßen gelistet und mit vielen Informationen versehen findet sich alles auf „Stolpersteine in Freiburg.de“.
  • Augenblicklich weisen 528 Stolpersteine auf diese Schicksale hin.
  • Vorbei an den „Schlachtschiffen der Moderne“ (Gründerzeitvillen) führt die Tour durch die Unterwiehre Richtung Vauban und Merzhausen. Mit einem leichten Anstieg auf der Strecke nach Au und Wittnau liegt Bollschweil auf dem Weg.

 

Bollschweil
11,3 KMStaufen

Im dortigen Rathaus erinnert als die „Herzkammer der Heimat“ eine literarische Gedenkstätte des Deutschen Literaturarchivs Marbach an die Schriftstellerin Marie Luise Kaschnitz (1901–1974). 1966 hat sie dem Dorf in ihrer „Beschreibung eines Dorfes“ ein Denkmal von hoher literarischer Kraft gesetzt.

Öffnungszeiten: www.Bollschweil.de;
Tel: 07633-95100

Unter der Inschrift „Wohl denen die gelebt“ auf dem Bollschweiler Friedhof, ruht die Dichterin neben ihrem Ehemann Freiherr von Kaschnitz-Weinberg unter einem Reiterfries des Parthenon-Tempels. Auch das Schloss ihrer Familie von Holzing/Berstett bietet weiter Hinweise zu ihrem Leben in „ihrer Heimat“.

 

Staufen
18,8 KM – Sulzburg

Mit einem sanften Abwärtsrollen auf der weiteren Route nach Staufen findet sich in der Mitte Staufens das Stubenhaus, ebenfalls mit einer literarischen Gedenkstätte.

Öffnungszeiten: www.staufen.de

Sie erinnert an den nach seiner Exilierung aus der früheren DDR dort zuletzt lebenden Schriftsteller Peter Huchel. Mit in dieser Ausstellung neben sehr vielen literarischen Querverweisen: eine kleine Preziose zu dem Freiburger Schriftsteller und guten Freund Hans A. Joachim.

Von Staufen über Grunern und Ballrechten-Dottingen auf Wein- oder Radwegen beidseits der Straße führt die Strecke an den Weinbergen Ballrechten-Dottingens vorbei zum Sulzburger Tal und hinein in die kleine Stadt.

 

Sulzburg
25,4 KM / 24 KM Ziel

Nahe der Stadtmitte liegt die Kirche St. Cyriak, eine der ältesten ottonischen Kirchen Deutschlands.

  • Auf dem Kirchplatz, neben dem Geburtshaus von Ernst Leitz (Stichwort: Leica), steht das Mahnmal der evangelischen Jugend aus Sulzburg, das an die Deportation von 27 jüdischen Menschen aus Sulzburg erinnert.
  • Nicht weit davon in der Gustav Weil-Gasse liegt die ehemalige Synagoge aus dem Jahr 1822.
  • Öffnungszeiten: www.sulzburg.de
  • Gustav Weil, 1808 in der Sulzburger Hauptstraße geboren und mit sechs Geschwistern aufgewachsen, sollte nach des Vaters Wunsch Rabbiner werden. Stattdessen entschied er sich für das Geschichtsstudium in Heidelberg. Danach zog es ihn Arabisch lernend, in den Orient, für ein deutsches Lesepublikum bei Cotta berichtend. Anschließend arbeitete er als Bibliothekar an der Heidelberger Universität und publizierte seine aus dem arabischen Urtext übersetzte Version von „1001 Nacht“.
  • Seinen Wunsch, wegen besonderer Kenntnisse in der Arabistik und vielfältigen Publikationen hierzu in den Kreis der Hochschullehrer aufgenommen zu werden, lehnte die Fakultät 1845 mit dem Hinweis: "[…] Noch nirgends auf allen deutschen Universitäten […] sei ein Jude Professor geworden" ab. Durch Mut und Gunst des Großherzogs zum außerordentlichen Professor ernannt, folgte bald darauf die ordentliche Professur. Als erster jüdischer Professor an einer badischen Hochschule arbeitete er weiterhin erfolgreich in seinem Fachbereich. Nach seinem Tode 1889 wurde er auf dem neuen jüdischen Friedhof in Freiburg beigesetzt. Ein schwarzer Marmorobelisk ziert seine Grabstätte.
  • Weiter taleinwärts, etwa 3 km und leicht ansteigend, findet sich der alte jüdische Friedhof.
  • Das Deutsche Literaturarchiv bietet in seiner Reihe "Spuren" Heft 111 zu Peter Huchel und Hans A. Joachim viele Informationen mit Sulzburg-Bezügen und Gedichten.
  • Als Variante ohne den kleinen ansteigenden Weg über Merzhausen und Bollschweil geht die Radtour von der Lessing-Realschule Richtung St. Georgen, mit Radwegen an oder wahlweise in den Rebbergen Ebringens über Schallstadt Richtung der Kurstadt Bad Krozingen.

 

Bad Krozingen
17,4 KMStaufen

Bad Krozingen ist mit knapp über 21.000 Einwohnern die größte Stadt im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald mit vielen Angeboten: ein großes Thermalbad in einem weitläufigen Kurpark, im Schloss eine sehr seltene Sammlung historischer Tasteninstrumente und direkt an der Route nach Sulzburg die romanische Glöcklehofkapelle mit Fresken einer der ältesten Christusdarstellungen nördlich der Alpen.

Dort am Neumagen oder anderen vorhandenen Radwegen nach Staufen.

 

Staufen
22,9 KM – Sulzburg

Von dort: Weiter wie beschrieben nach Sulzburg.